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„Hilfe für entkommene Kriegsgefangene”

Niederlande

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Eine Gruppe von Personen bildet in Herkenbosch – ab der Ankunft der ersten geflohenen Kriegsgefangenen aus Deutschland im Jahr 1941 – ein Netzwerk, um diese wachsende Gruppe nach sicheren Gebiet auszuschleusen. Unter Gefahr für das eigene Leben helfen sie den Flüchtlingen mit Kleidung, Lebensmitteln und Schlafplätzen. Letztlich können in dieser Region während des Krieges mithilfe derartiger Netzwerke rund 250 Kriegsgefangene und andere Flüchtlinge entkommen.

Als Leni Moors 1941 mit ihrer Cousine erstmals – aus Deutschland geflohene – französische Kriegsgefangene sieht, weiß sie noch nicht, dass sie jahrelang in der Widerstandsbewegung von Herkenbosch und Umgebung mitarbeiten wird. Sie hilft den Kriegsgefangenen mit einem Unterschlupf sowie Kleidung und Lebensmitteln. Kurze Zeit später bringt sie die Männer in einem abgelegenen Backhaus des Bauernhofs Venhof unter.

Dessen Eigentümer, Bauer Simons, hilft von Anfang an mit, den Entflohenen vorübergehend ein Dach über dem Kopf und Essen zu bieten. Und auch Pie Beckers, der ein bisschen Französisch spricht und für alle Entflohenen die Verantwortung übernimmt, ist daran beteiligt ebenso wie Kaplan Verscharen, Jan Hamans und noch einige andere.

Den ganzen Krieg über kommen einzelne Kriegsgefangene und andere, die aus Zügen und Lagern entkommen sind, über die Grenze. Sie folgen einfach dem „Eisernen Rhein“ nach Westen, der Bahnlinie vom Ruhrgebiet in den Hafen von Antwerpen. Sie wissen, dass sie – wenn sie nur weit genug laufen – letztlich niederländisches Hoheitsgebiet erreichen müssen.

Auf diese Weise entsteht in und rund um Herkenbosch ein Netzwerk, dessen Mitglieder unter Gefahr für das eigene Leben Flüchtlinge sicher ausschleusen. Das Postamt der Familie Moors spielt dabei ebenfalls eine wesentliche Rolle, da dort die Postsendungen der niederländischen nationalsozialistischen Partei und Telefongespräche über die Deutschen aus Ommen eingehen, und so bekommt Marie Moors einiges mit.

Da es in der Gegend viele Kollaborateure und Mitglieder der niederländischen nationalsozialistischen Partei NSB gab, war die Arbeit äußerst riskant. Dennoch konnten etwa 250 Menschen über diese Region entkommen.

Nach dem Krieg erhielten verschiedene Mitglieder der Widerstandsgruppe aus dem Dorf das „Verzetsherdenkingskruis“ (Widerstandsverdienstkreuz) für ihre heldenhaften Taten; einigen wurde sogar das französische Kriegskreuz „Croix de Guerre“ verliehen.